Neuro-Bits: Edward O. Wilson

“Hier meine Behauptung: Außerhalb unseres Kopfes existiert eine von uns unabhängige Realität. Nur Verrückte und ein paar konstruktivistische Philosophen bestreiten das. Innerhalb des Kopfes existiert eine Rekonstruktion dieser Realität, basierend auf Sinnesreizen und selbstentworfenen Vorstellungen. Reize und Selbstentwürfe formen den Verstand, nicht etwa irgendeine unabhängige Entität im Gehirn, jener Geist in der Maschine, wie der Philospoph Gilbert Ryle es abfällig nannte. In Wirklichkeit haben die Idiosynkrasien der menschlichen Evolution dafür gesorgt, dass die äußere Realität nicht im Einklang mit der inneren Vorstellung von ihr steht. Das heißt, die natürliche Auslese ließ ein Gehirn entstehen, das den Zwecken des Überlebens dienen sollte und nur zufälligerweise auch imstande ist, die Welt besser zu verstehen, als es für das Überleben nötig ist. Die angemessene Aufgabe der Wissenschaft ist es nun, dieses Missverhältnis zu diagnostizieren und zu korrigieren. Auch wenn sie dabei noch ganz am Anfang steht, sollte niemand davon ausgehen, dass die objektive Wahrheit unmöglich herauszufinden ist, selbst wenn uns sogar die verantwortlichsten Philosophen drängen, endlich zu akzeptieren, dass dies völlig unmöglich sei. Vor allem ist es noch viel zu früh für die Wissenschaftler, diese Infanteristen der Erkenntnistheorie, ein Territorium aufzugeben, das derart lebenswichtig für ihre Mission ist.”

Edward O. Wilson: Biologe und Ameisenforscher

Zitiert nach: Die Einheit des Wissens.

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